Berichte vom Rande der Republik

Wer Plan A macht, sollte auch Plan B haben

Vor ein paar Wochen hatte sich die Oma bei einem Sturz das Handgelenk angebrochen. Zum Glück nur das Handgelenk, denn an der Hüfte hatte sie auch einen riesigen Bluterguss. An einem freien Vormittag haben meine Mutter und ich dann angefangen bei der Oma Frühjahrsputz zu halten. Wir hätten auch noch weitergemacht, wenn ein Krankenhausaufenthalt meines Vaters nicht dazwischen gekommen wäre. Nun habe ich also den Paps in meiner Freizeit besucht, um ihn aufzumuntern. Nebenbei habe ich auch sein neues Quad angemeldet, denn auff’m Land muss man mobil sein, gerade wenn man Beinamputiert ist ….Somit wird der Hausputz bis auf weiteres verschoben.                  Wann ich Zeit habe bei mir, geschweige auch nur die Fenster zu putzen, steht in Plan C .

Wenn man auff’m Land lebt, muss man mobil sein

hesingenLeider ist meine 91jährige Oma nicht so mobil, sie hat keinen Führerschein. Den größten Teil ihres Lebens hat sie in NOH gewohnt und da ist vieles mit dem Fahrrad zu erreichen.  Am Rande der Republik ist das ganz anders. Das nächste Dorf mit Arzt, Apotheke, Lebensmittelladen und Poststation ist 10km weit weg. Ganz zu schweigen von der Verwandtschaft, die noch weiter weg wohnt. Ein Bus fährt hier nur zu den Schulzeiten morgens und mittags. Wer hier kein Auto hat oder nicht fahren kann, ist auf Hilfe angewiesen und die kommt meistens aus der Familie. So bin ich heute Vormittag mit meiner Oma durch die Gegend gedüst, um an einem leckeren Geburtstagsfrühstück  teilzunehmen. Das ich durch das Abholen und wieder nach Hause bringen locker mal 100 Kilometer mehr auf dem Zähler hab, ist nebensächlich. Oma und ich hatten einen schönen Vormittag und wenn man am Rande der Republik aufgewachsen ist, ist man Entfernungen gewohnt.

Ganz nebenbei dürfte meine Oma in ihrem jetzigen Zustand nicht mehr alleine Auto fahren.

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Ich habe nur eine leise Ahnung wie es in Zukunft weitergeht. Auf jeden Fall werde ich mehr Zeit in/an/um meinem Elternhaus verbringen. Mein Vater ist körperlich leider nicht mehr in der Lage das Haus mit dem großen Garten in Stand zu halten. So werde ich meine Freizeit vermehrt in einem kleinen Kaff ‚am Rande der Republik‘ verbringen.

Meine erste Amtshandlung war einen neuen Briefkasten anzubringen. Mit Handkreissäge und Werkzeug bewaffnet habe ich das Glanzstück angebracht. Zum Glück war ein passender Pfahl schon vorhanden, an ihm hing bislang die Röhre für das Käseblatt.

usmail